FDP Ortsverband besucht Diepholzer Recyclingfirma Malz Polytec

Bürokratie statt Recycling

Diepholz. Im Rahmen seines Sommerfestes nutzte der FDP Ortsverband Diepholz die Möglichkeit, mit dem Bundestagsabgeordneten Mathias Seestern-Pauly das Kunststoff-Recyclingunternehmen malz polytec GmbH & Co. KG zu besichtigen.
Die Firma produziert überwiegend Thermoplastisches Polyurethan als Rohstoff für verschiedene Anwendungsgebiete. Ca. 60% der Produktion wird exportiert. Der Inhaber und Geschäftsführer Dr. Hauke Malz hatte sich bereit erklärt, durch sein Unternehmen an
der Thüringer Straße zu führen. Es wurde deutlich, dass der Unternehmer aktuell vor etlichen Herausforderungen steht. Neben dem allgegenwärtigen Fachkräftemangel, der auch die Lieferanten und Handwerksbetriebe betrifft, die mit malz polytec zusammenarbeiten, sind es immer wieder die hohen Stromkosten in Deutschland, die einen Wettbewerbsnachteil für die Recyclingfirma darstellen. In China ist Strom 50% günstiger als in Deutschland, so Dr. Hauke Malz, und Strom macht eben einen
erheblichen Anteil der Kosten im Recyclingprozess aus. Zwar wurde in den letzten Jahren viel in Energieeinsparmaßnahmen investiert und es gelang, den Stromverbrauch pro Kg Produkt um ca. 30% zu senken. Den Wettbewerbsnachteil zur internationalen
Konkurrenz macht das trotzdem nicht wett.
Die Anwendung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und der Bundesimmissionsschutzverordnung begleiten Dr. Malz permanent in seinem Unternehmen. Es sind Vorschriften, die sehr theoretisch gefasst sind und das Wirtschaften äußerst erschweren. Eine BImSchV – Genehmigung ist z.B. bei einer Recyclingmenge von mehr als 10 t am Tag erforderlich. Es kommt dabei allerdings nicht auf die tatsächlich verarbeitete Menge an, sondern auf die theoretische Produktionskapazität. Das ist so, als würde man mit 30 Stundenkilometern an einer Schule vorbeifahren und dann seinen Führerschein verlieren, weil das Auto theoretisch ja auch 160 km/h schnell fahren könnte, wundert sich Dr. Malz. Über weitere regulatorische Fallstricke in dieser Form konnte Dr. Malz berichten. So ist in der EU noch nicht einmal geklärt, wann ein Kunststoffrest noch Abfall ist, oder bereits ein Rohstoff.
Die Frage des Bundestagsabgeordneten Seestern-Pauly, ob er sich denn noch einmal in Deutschland mit einem Recyclingbetrieb selbstständig machen würde, verneinte Dr. Malz daher auch sehr deutlich.
„So werden einem Unternehmen, das einen positiven Beitrag zur CO2 Reduzierung leisten kann, viele bürokratische Hürden auferlegt“, konstatierte Lars Mester, Vorsitzender der Diepholzer Liberalen. Denn beim Recyceln der Kunststoffabfälle entsteht nur ca. ein Viertel CO2 gegenüber der Verbrennung und es werden darüber hinaus Ressourcen geschont. „Seit vielen Jahren setzt sich die FDP nicht ohne Grund für eine Entflechtung der übersteigerten Bürokratie in Deutschland ein. Die klein- und mittelständischen Betriebe würden durch einen Abbau merklich gestärkt und könnten sich auf das Kerngeschäft konzentrieren“, so der Fraktionsvorsitzende Wilhelm Reckmann.